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Recherchebericht eines Mitglieds von Vegan Heute

Es ist Samstagabend kurz nach 20 Uhr. Zusammen mit drei weiteren freiwilligen Helfern bereite ich unsere Recherche für die heutige Nacht vor.

Heute stehen zwei mittelgroße Schweinemastanlagen auf dem Programm. Was uns genau erwartet, wissen wir nicht. Nur so viel, dass eine Anlage direkt an einem Wohnhaus liegt und wir hier besonders vorsichtig sein müssen, um nicht entdeckt zu werden.

Sorgsam packen wir unsere Rucksäcke mit dem nötigen Equipment, wie Walkie-Talkies, GPS, Handschuhe, Taschenlampen, Overalls, Atemschutzmasken und natürlich ganz wichtig: Unsere Videokamera, um alles zu dokumentieren.

Um 22 Uhr geht es dann los. Bevor wir eine Stunde später unser Ziel erreichen, machen wir noch einen Zwischenstopp an einer Tankstelle, um uns eine aktuelle Tageszeitung zu kaufen. Schließlich wollen wir dokumentieren, dass die Aufnahmen aktuell sind.

Am Ziel angekommen parken wir abseits der Anlage und versuchen diese so unbemerkt wie möglich zu erreichen. Die Dunkelheit in der heutigen Nacht kommt uns hierbei sehr gelegen. Nach kurzer Wanderung kommen wir an der ersten Schweinemastanlage an. Sie liegt zum Glück abseits vom Dorf. K. positioniert sich mit Ihrem Walkie-Talkie am Weg, von wo aus sie gut im Überblick hat, ob ein Auto den Feldweg entlang kommt. Wir anderen drei betrachten derweil die Anlage von außen. Als erstes schauen wir, ob eventuell jemand da ist. Dies ist allerdings nicht der Fall. Nur einen Bewegungsmelder müssen wir umgehen, um nicht das Licht im Hof auszulösen.

Während wir die Anlage einmal umrunden und dabei gleich testen, ob eine der Türen offen ist, müssen wir leider feststellen, dass dem nicht so ist. „Es muss doch irgendeinen Weg rein geben“ flüstere ich enttäuscht den anderen zu. J. zeigt auf das große Scheunentor. Wir betrachten es genauer und stellen fest, dass es einen kleinen Spalt gibt, durch den man eventuell hindurch kriechen kann. Ich ziehe meine Jacke aus und schaffe es tatsächlich mich durch den kleinen Spalt zu quetschen.
Vom Umrunden der Anlage weiß ich, dass es hinten ein Fenster gibt und flüstere den anderen zu, dass ich es ihnen öffnen werde.

Nun muss ich erstmal ganz allein durch die Anlage, um zum Fenster auf der Rückseite zu kommen. Doch zuerst ziehe ich mir eine der Atemmasken an, da der Geruch schon in den Gängen unerträglich ist.

Mit meiner Taschenlampe bewaffnet wage ich mich langsam voran und leuchte vorsichtig um jede Ecke. Während ich mir draußen noch sicher war, dass hier wohl keiner da ist, bin ich mir jetzt plötzlich doch etwas unsicher. Ein mulmiges Gefühl, wenn man in einem dunklen langen Gang steht und überall Schiebetüren sind, hinter denen man Geräusche hört. Doch langsam erreiche ich das Fenster auf der Rückseite und meine Schritte werden schneller. Ich leuchte noch mal nach hinten in den dunklen Gang, da ich schon wieder ein lautes Geräusch von dort gehört habe. Doch außer ein paar alten Geräten ist dort nichts.

Am Fenster angekommen, öffne ich dieses für die beiden anderen. Nun ziehen wir uns erstmal unsere Overalls, Überschuhe, Handschuhe und die anderen auch ihre Atemmasken an. Als nächstes packe ich die Videokamera aus und gebe J. den Fotoapparat. N. bekommt das Walkie-Talkie und ist im ständigen Kontakt mit K. Sie gibt ihr alle zwei Minuten ein Signal, dass draußen alles in Ordnung ist, damit wir hier drin in Ruhe filmen können, ohne ständig auf der Hut sein zu müssen.

Nachdem alles vorbereitet ist, laufen wir zusammen durch den langen Gang. Dies ist wesentlich angenehmer als zuvor, als ich noch alleine hier lang musste.

Wir öffnen die erste Schiebetür auf der rechten Seite und befinden uns nun im ersten Raum mit mehreren Buchten, die alle randvoll mit Schweinen sind. Wir verschaffen uns erstmal einen groben Überblick und gehen dann von Schiebetür zu Schiebetür, bis uns ein Raum besonders auffällt. Hier sieht alles etwas anders aus. Irgendwie wirkt hier alles viel älter als in den anderen Räumen. Die Fließen an den Wänden sind zerbrochen und die Gitterstäbe sind total verrostet. Trotz allem, sind auch hier alle Buchten voll mit Schweinen. Und der Geruch in diesem Raum ist kaum auszuhalten. Die Ammoniakkonzentration ist hier so hoch, dass unsere Augen sofort anfangen zu brennen und das Atmen, trotz der Atemmasken, sehr unangenehm ist. Wie muss es wohl den Schweinen gehen, die immer hier sein müssen? Schaut man in ihre traurigen Augen sieht man sofort, wie entzündet sie sind. Außerdem sind die Schweine fast die ganze Zeit am Husten. Teils so stark, dass einige von ihnen schon Nabelbrüche haben, was man an den herunterhängenden Tumoren erkennen kann. Viele der Schweine sind verletzt und wirken sehr lethargisch. Trotzdem sind sie sehr neugierig und beschnuppern uns, als wir eine der Buchten betreten.

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Ich hocke mich hin und fange an das Ganze zu filmen. Im Kameralicht sieht alles noch viel schlimmer aus, als noch eben im kleinen Lichtkegel der Taschenlampe. Mir fallen sofort die Vereiterungen auf, die einige Schweine haben. Ein Wunder ist dies nicht, wenn man die rostigen Gitter und die verschmierten Exkremente auf dem Boden und an den scharfkantigen Fließenstücken betrachtet.

Während ich all diese armen Tiere mit ihren Verletzungen und Schmerzen betrachte, den Geruch hier kaum aushalte und im Kot fast ausrutsche, steigt ziemliche Wut in mir auf. Wie kann man einem so etwas egal sein? Wie kann man hier jeden Tag rein gehen ohne ein schlechtes Gewissen zu haben? Wie kann man dazu fähig sein, diese armen Tiere gefangen zu nehmen und sie hier mit ihren Schmerzen und unversorgten Wunden leiden zu lassen? Der Blick auf das Treibgitter, welches an der Wand hängt, machen die Gedanken nicht gerade besser.

Schnell werde ich aus meinen Gedanken gerissen als mich eines der Schweine anstupst und scheinbar besorgt an mir schnüffelt. Ich schaue ihm in die Augen und meine Wut verwandelt sich plötzlich in Traurigkeit. Noch bevor mir die Tränen anfangen zu laufen, tippt mir J. auf die Schulter und zeigt auf seine Uhr. Es ist mittlerweile schon 2 Uhr und wir müssen aufbrechen, um noch rechtzeitig zur anderen Anlage zu kommen.

Von Anlage A zu Anlage B sind es nur ein paar Minuten Fahrt. Diesmal parken wir noch etwas weiter weg, da hier das Wohnhaus direkt neben der Schweinemast ist. Die Anlage diesmal ist auch ein ganzes Stück größer als die von eben. Hier brauchen wir wohl zwei Personen, die Wache schieben und sind somit auch drin nur noch zu zweit. Die Wachen sind schnell positioniert und diesmal sind auch alle Türen geöffnet. J. und ich öffnen die Tür, die am weitesten vom Wohnhaus entfernt ist.

Wie immer stehen wir in einem langen Gang mit lauter Schiebetüren. Hinter jeder Schiebetür erwarten uns wieder diese schrecklichen Bilder, von denen man sich wünschte, sie nie gesehen zu haben.

Wir gehen in den ersten Raum. Auch in dieser Anlage sind wieder enge Buchten, voll mit Schweinen, die starke Verletzungen haben. In der einen Bucht liegt ein totes Schwein, das wohl schon etwas länger dort liegt. Die anderen Schweine nutzen es als einziges Spielelement und weiden es förmlich aus. Ein absolut unnatürliches Verhalten, aber durch die reizarme Umgebung wohl die einzige Möglichkeit die extreme Langeweile zu besiegen. Ich betrete die Bucht und filme das Ganze. Die Schweine hier sind sehr ängstlich. Trotzdem treibt sie die Neugier dazu mich zu beschnüffeln. Ich fange an sie zu streicheln und sie schauen gleich viel zufriedener. Anfangs ist es ein sehr schönes Gefühl als ich einem Schwein in die Augen schaue und es sanft über den Rüssel streichle. Für ganz kurze Zeit kann ich vergessen, wo ich hier eigentlich bin. Doch die Realität holt mich schnell wieder ein. Überall dieser Kot, diese schrecklich trostlose Umgebung, die schrecklichen Geräusche der Futterautomaten und so viele verletzte Tiere. Das anfangs schöne Gefühl wandelt sich sehr schnell in eine Mischung aus Traurigkeit und Wut. Ich streichle dem Schwein zum Abschied noch mal über den Rücken und verlasse den Raum.

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Kaum betreten wir den nächsten Raum, fallen uns sofort die blutigen Schwänze und Ohren der Schweine auf. Während im Nachbarraum ein totes Schwein als einzig verbleibende Option zu irgendeiner Art Beschäftigung herhalten muss, knabbern sich hier die Schweine als Beschäftigung gegenseitig die Schwänze und Ohren ab. Wieder ein untypisches Verhalten, welches auf die Verzweiflung dieser Tiere hier hinweist.

Wir machen so viele Aufnahmen wie möglich und gehen weiter in die nächsten Räume. Je näher wir dem Wohnhaus kommen, umso unerträglicher wird der Ammoniakgeruch. In der Mitte der Halle kann ich es trotz Atemmaske kaum noch aushalten. Die Augen tränen und brennen furchtbar, meine Lunge schmerzt und ich bekomme kaum noch Luft. Ich muss erstmal kurz nach draußen, da ich es hier drin nicht mehr aushalte.

Nach der kurzen Pause an der „frischen“ Luft schauen wir uns die weiteren Räume an. Hier befinden sich noch viel kleinere Buchten, in denen jedoch bereits wesentlich größere Tiere zusammen gepfercht sind. Die Schweine können sich hier kaum bewegen. In einer Bucht schlafen sie. Alle liegen auf dem Boden, eins davon liegt sogar auf den anderen Schweinen, weil es nicht mehr zwischen die anderen passt. Ich versuche in eine der Bucht zu gehen und die Schweine zu filmen, was durch die extreme Enge beinahe unmöglich ist. Hierbei fällt mir auf, dass einige der Schweine Knochenbrüche haben. Die Gelenke sind extrem geschwollen und blau, teilweise sogar vereitert. Ein Schwein hat an drei Gliedmaßen mehrfache Brüche und kann sich nicht mehr fortbewegen. Es schreit laut vor Schmerzen, als ein Artgenosse es berührt. Ich habe noch nie zuvor ein Schwein so schreien hören. Die Schmerzen müssen unerträglich sein. Um nicht zu verhungern versucht es vorwärts zu robben, um die Exkremente der anderen Schweine zu essen. Es ist so fürchterlich, so etwas sehen zu müssen. Ich filme kurz, was hier passiert und lege die Kamera erstmal zur Seite, um mich um das Schwein zu kümmern. Es schaut mich mit großen, ängstlichen Augen an und bittet förmlich um Hilfe. Doch was soll ich tun? Ich streichle das Schwein und sage zu ihm, dass ich so gerne helfen würde. Doch ich habe weder die Möglichkeit ein zweihundert Kilo schweres Schwein mit gebrochenen Beinen mitzunehmen, noch habe ich die Möglichkeit es irgendwie von seinem Leid zu erlösen. Diese Verzweiflung macht mich extrem traurig und bringt mich ans Ende meiner Kräfte. Es gibt kaum etwas schlimmeres, als jemanden vor sich leiden zu sehen und nicht helfen zu können. Besonders wenn man auch noch mit solch traurigen, flehenden Augen angeschaut wird. Es zerreißt mich förmlich innerlich.

Wieder kommt die Wut in mir auf. Diesmal nicht nur über den Betreiber dieser Anlage, sondern über all die da draußen, die sich nicht dafür interessieren. Die, die da draußen ihr „ach so tolles Leben“ führen, ohne sich auch nur einmal Gedanken darüber zu machen, was sie mit ihrem Konsum eigentlich anrichten.

Ich halte noch kurz inne, wische mir die Tränen aus dem Gesicht und verschwinde aus dem Raum, ohne noch mal einen Blick nach hinten zu werfen. Das war nun genug! Ich will nur noch hier raus!

Draußen werfe ich dann aber doch noch einen Blick in die großen Mülltonnen. Sie sind allesamt bis oben hin mit toten Schweinen gefüllt, die die Qualen nicht überlebt haben. Sollen wir froh um sie sein, dass sie hier gestorben sind und nicht auch noch zum Schlachter gekarrt und dort auf grauenhafte Weise getötet werden? An diesem Ort ist alles viel zu grauenhaft, um nur einen klaren Gedanken fassen zu können.

Wir gehen zurück ins Auto und fahren heim. Während der ganzen Fahrt muss ich an die Schweine denken, wie sie weiter in der Anlage leiden. Ständig habe ich das Bild von ihnen vor Augen. Besonders von denen, mit welchen ich näheren Kontakt aufgenommen habe. Und ganz besonders denke ich an das Schwein mit den gebrochenen Gliedmaßen. Zwar konnte ich keinem dieser Schweine direkt helfen, doch eins habe ich mir die ganze Zeit in den Anlagen geschworen: Ich werde alles dafür tun, diese Bilder in die Öffentlichkeit zu bringen, damit diese Qual hoffentlich irgendwann mal ein Ende haben wird!

Dieser Artikel erschien zuerst in der Tierbefreiung Nr. 85

Recherche Bericht

Bericht eines Mitglieds des Tierrechts-Recherche-Teams Vegan Heute

Ich mache seit etwa drei Jahren Recherchen in Deutschlands Tierfabriken. Seit dieser Zeit habe ich einige schlimme Dinge gesehen, die mein Leben maßgeblich verändert haben. Ich möchte nun einen Bericht hierüber schreiben, um euch an meinen Eindrücken teilhaben zu lassen.


Die ersten Recherchen

Mit ein paar Freunden begann ich mich auf die Suche nach Anlagen zu machen. Anfangs dachte ich, in unserer Region gäbe es so etwas gar nicht. Schnell merkte ich, dass auch unserer Region voll von solchen Tierfabriken ist. Wie oft bin ich als Kind und junger Erwachsener an diesen Gebäuden mit den auffälligen Schornsteinen und Silos vorbei gefahren ohne mir auch nur im Geringsten vorstellen zu können, was sich hier drin verbirgt.

Die erste Anlage war demnach schnell gefunden. Ich wusste anfangs gar nicht, was hier überhaupt drin ist. Neugierig testete ich, ob die Tür vielleicht oanlageffen ist. Und tatsächlich, sie war nicht abgeschlossen. Was mich anfangs noch wunderte, begegnete mir immer wieder. Fast überall sind die Türen offen und man kann die Ställe einfach betreten.

Doch zurück zur Anlage: Ich ging durch die Tür und betrat eine große Halle. Es war unheimlich heiß und feucht. Das Klima erinnerte an eine Dampfsauna.

Grelles Licht leuchtete aus allen Richtungen. Vor mir befanden sich fünf 100 Meter lange Käfigreihen, komplett gefüllt mit kleinen Küken, ca. 2 Tage alt. Es war ein schrecklicher Anblick. Hier waren etwa 5000 Küken, zu hunderten in winzigen Käfigen zusammen gefercht. Sie hatten kaum die Möglichkeit sich zu bewegen. Mein Atem stockte, ich war verzweifelt und wusste nicht, wie ich mit dieser Situation umgehen soll. aufzuchtÜberall um mich herum wehrlose Küken, die um Hilfe zwitschern. Teilweise steckten sie ihre Köpfe durch die Gitterstäbe und japsten nach Sauerstoff. Andere lagen erschöpft am Boden. Ich machte ein paar Fotos, drehte mich um und verließ die Halle. Am Ende fand ich noch einen Haufen toter Küken, die dem Ganzen nochmal eins drauf setzten. Später erfuhr ich, dass es sich bei dieser Anlage um eine sogenannte „Legehennenaufzuchtanlage“ handele.

Völlig fertig kam ich heim und versuchte die Erlebnisse zu verarbeiten. Niemals hätte ich mir das so schlimm vorgestellt. Ich konnte vorher kaum glauben, dass es so etwas wirklich gibt, dass so etwas Realität ist. Und das überall, auch in meiner Nähe.

Doch es sollte noch viel schlimmer kommen.


Weitere Recherchen

Angespornt etwas gegen diese Situation tun zu wollen und diese Bilder in die Öffentlichkeit zu bringen, machte ich mich mit meinen Freunden auf nach weiteren Anlagen zu suchen.

Unsere nächsten Recherchen brachten uns in sogenannte Schweinemastanlagen. Auch hier war die erste Halle schnell gefunden. Ein mittelgroßer Betrieb mit etwa 1000 Schweinen. Schon von außen war der Geruch unerträglich. Wie mag es erst drin sein? Nachts machten wir uns auf den Weg den Maststall näher zu betrachten. Wieder war die Tür einfach offen.

Ich wagte einen ersten Blick hinein. Vor mir lag ein langer, dreckiger Gang. Der Geruch war unerträglich. Sofort fingen meine Augen an zu brennen und ich bekam einen Würgreiz. Ich zog meinen Schal über Mund und Nase, um den Geruch irgendwie ertragen zu können. Mein Weg führte mich weiter durch den langen Gang. Rechts und links von mir befanden sich Türen. Ich wagte mich eine dieser Türen zu öffnen, obwohl ich mir schon vorstellen konnte, was mich dahinter in etwa erwartet. Doch es war noch viel schlimmer als ich gedacht habe. Meine Augen fingen sofort wie extrem an zu brennen als ich den Raum betrat. Im Raum waren mehrere Buchten, die alle übervoll mit Schweinen waren. Alles war voll Kot, der Boden, die Wände, selbst die Schweine waren komplett mit Kot beschmiert. Dadurch rutschen die Schweine umher und steckten öfter in den Spaltenböden fest.

schwein

Als ich den Raum betrat schauten mich die Schweine sofort neugierig an. Sie hatten sich förmlich gefreut, dass ich vorbei kam. Sie schnüffelten an mir und ich streichelte sie. Mir zerbrach es fast das Herz. Vor mir lauter niedliche Schweine, die sich über meinen Besuch freuten und ich kann nichts tun. Nichts, außer das ganze zu dokumentieren. Ich wusste gar nicht, wie ich auf die Schweine reagieren soll, wusste ich doch, dass sie nur zu einem einzigen Zweck hier waren. Was müssen diese Tiere wohl denken? Wie müssen sie sich fühlen? Zwischen ihnen lagen tote Artgenossen. Viele von ihnen waren verwundet, einige hatten Tumoren und Verstümmlungen. Ihre Augen waren entzündet. Warum konnte ich mir gut vorstellen, da meine Augen ja schon nach kurzer Zeit fürchterlich gebrannt haben. So sehr, dass ich nach ein paar Minuten wieder raus gehen musste.

Im Gang draußen fand ich einige brutale Werkzeuge, wie Schlagstangen, Stromschocker und Treibgitter, was in etwa erahnen lässt, was diese Tiere alles durchmachen müssen. Dabei ist das nur ein kleiner Teil. Auch vorher werden sie schon brutal von ihrer Mutter entrissen, ihre Schwänze und Zähne bei vollem Bewusstsein gekürzt. Die männlichen Schweine werden zusätzlich ohne Betäubung kastriert. Doch das Schlimmste ist wohl, dass sie niemals wirklich leben können. Sie sind immer in ihrer grauenhaften Kunstwelt gefangen und das nur zu einem einzigen Zweck, um nach kurzer Zeit wieder getötet zu werden. Während meiner Recherchen merkte ich immer mehr, welche Ausmaße die Tierausbeutung hat und wie krank sie wirklich ist.


Das Tierrechts-Recherche-Team war entstanden

Wir beschlossen uns allesamt, dass wir etwas tun müssen. Es reicht nicht, das Elend nur unseren Bekannten zu zeigen. Diese Bilder müssen in die Öffentlichkeit. Deshalb baten wir jemanden anonym, unsere Arbeiten zu veröffentlichen. Mittlerweile kann man fast unser ganzes Material auf der Internetseite www.vegan-heute.de finden. Uns ist es dabei auch wichtig, dass jeder dieses Material für eigene Aktionen nutzen kann, sofern sich diese klar gegen Tierausbeutung aussprechen.


Weitere Eindrücke

Nach einiger Zeit wurden wir immer professioneller und das Team immer größer. Mittlerweile machen wir fast alle zwei Wochen solche Recherchen. Doch immer wieder findet man neue erschreckende Sachen. Es gibt immer wieder Situationen, die einen innerlich zerreißen. Zum Beispiel beim ersten Besuch einer sogenannten „Legehennenanlage“, also dort, wo Eier produziert werden. huhnIch ging in das erste Abteil, wo mir gleich ein Huhn auffiel. Es hatte kaum noch Federn, blutete und war total apathisch. Ich schaute weiter und merkte, dass alle Hühner so aussahen, kein einziges sah auch nur ansatzweise gesund aus. Und das in einer Halle mit etwa 5000 Hühnern. Und wieder war das Gefühl da und schnürte mir den Hals zu. Ich war wieder hilflos und konnte nichts tun.

Auf dem Boden lagen einige Hühner im Sterben. Sie hatten keine Kraft mehr hoch zu fliegen, um die Tränken mit Wasser zu erreichen. Sie mussten alle elend verdursten. Doch es waren hunderte, die dort unten im Sterben lagen. Hunderte um die sich niemand zu kümmern scheint. Auch tote Hühner werden hier nicht weggeräumt. Doch das Perverse an dem Ganzen, in der Papiermülltonne vor der Halle fanden wir Dokumente, die zeigen, dass jeden Tag nach verlegten Eiern (Eier, die nicht in das „Nest“ gelegt wurden, um vom Förderband abtransportiert zu werden, sondern irgendwo anders gelegt wurden) gesucht wird. Jeden Tag, wird hier nach etwa fünf Eiern gesucht. Das wegen ein paar Cent. Doch dabei werden weder die toten Hühner aus der Anlage entfernt, noch hilft man den leidenden Tieren auch nur annähernd. Spätestens hier wird einem klar, dass es nur um den Profit geht und das Tier zum wirtschaftlichen Gut wird.


Die Perversion der Tierausbeutung

Immer wieder während meiner Recherchen machte ich ähnliche Erfahrungen. Fast immer waren die Zustände katastrophal. Nirgends scheinen jemanden die Tiere zu interessieren. Was ich vorher auch nie gedacht hatte, in den größten Anlagen sieht es oft besser aus als bei den kleinen Betrieben. Hier scheint man noch mehr überfordert zu sein, keine Mitarbeiter zu haben und man muss noch mehr auf jeden Cent achten. Doch auch wenn es mal einen Betrieb geben sollte, bei dem alles „in Ordnung“ wäre, werden hier trotzdem die Tiere gefangen gehalten und getötet. Doch kein Tier will ausgebeutet wputeerden und sterben. Spätestens wenn man einem solchen Tier in die Augen geschaut hat, wird einem klar, wie sie wirklich leiden. Auch sie wollen einfach nur leben und nicht als Wirtschaftsgut missbraucht werden. Ein Wirtschaftsgut, dass immer weiter optimiert wird. Tiere werden so qualgezüchtet, dass sie sich nicht mehr bewegen können und ihre Knochen vom eigenen Gewicht zerdrückt werden. Hühner müssen, durch die extreme Züchtung, jeden Tag ein Ei legen. Klar, dass sie nach kurzer Zeit keine Kraft mehr haben, weil ihre Reserven aufgebraucht sind. Kühe müssen so viel Milch geben, dass ihr Euter dauerentzündet ist. hahnDie ständige Milchproduktion entzieht ihnen das komplette Calcium, dass in den Knochen fehlt, was wiederum bewirkt, dass sie sich bald nicht mehr ohne Schmerzen bewegen können. Ganz abgesehen davon, dass ihnen jedes Jahr direkt nach der Geburt ihr Kind entrissen wird um beim Schlachter zu enden. Ich kenne die verzweifelten Schreie nach ihren Kindern, ich habe gesehen, wie Tiere sich vor Schmerzen nicht mehr bewegen können und ich habe gesehen, wie erbärmlich Tiere für unseren Konsum leiden müssen. Jeder, der mit offenen Augen in einen solchen Stall geht sieht das. Doch die Werbung will uns etwas anderes wahrhaben wollen. Hier geht es einzig und allein darum, dem Verbraucher sein Wunschbild zu übermitteln, auch wenn dies so gar nicht der Wahrheit entspricht. Hier geht es nicht um Tiere. Hier geht es um Gewinnmaximierung. Jeder versucht so viel Profit wie möglich aus diesem System zu erwirtschaften. Die Leidtragenden sind immer die Tiere, die Umwelt und die Menschen in ärmeren Regionen. Doch dies interessiert die Firmen nicht und der Verbraucher nimmt ihnen dieses idyllische Bild ab. Doch dieses System ist nicht idyllisch. Selbst der Bio-Tier“halter“ interessiert sich nicht für seine Tiere, bzw. nur dann, wenn er sonst wirtschaftliche Einbußen zu erwarten hätte. Er nutzt nur Marktlücken und die vermehrte Nachfrage nach Bioprodukten, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Doch wieder geht es nur um den Profit und mal wieder auf Kosten der Tiere.


Die Lösung

Tiere werden qualgezüchtet, ausgebeutet und getötet. Die Umwelt wird zerstört, in armen Ländern verhungert alle 5 Sekunden ein Kind, weil Land enteignet wird und zur Ernährung sogenannter Nutztiere verschwendet wird. Doch die Lösung ist so einfach. Keiner muss dieses System unterstützen. Niemand braucht tierische Produkte in seinem Speiseplan. Mittlerweile ist bekannt, dass die vegane Ernährung deutlich gesünder ist. Was spricht also dagegen? Möchte man wirklich an diesen ganzen Qualen mitverantwortlich sein? Möchte man so etwas wirklich weiterhin unterstützen? Niemand möchte sterben, niemand möchte leiden und ich möchte nicht dafür verantwortlich sein!

Und hier geht es weiter zum neuesten Recherche-Bericht.

Milch tötet Kälber

Einige werden sich sicherlich über diese Aussage wundern. Warum sollten für die Milch, die ich im Supermarkt kaufe, Kälber getötet werden? Fakt ist, dass eine Kuh jedes Jahr ein Kälbchen gebären muss, um überhaupt Milch geben zu können. Direkt nach der Geburt wird das kleine Kälbchen von seiner Mutter getrennt und in einen Käfig gesperrt. Die meisten Kälber werden nach ein paar Tagen zum Schlachthof gebracht und dort im jungen Alter (oft ohne oder mit unzureichender Betäubung) getötet, in zwei Hälften geteilt und zu Kalbs(leber)wurst verarbeitet. Ein unvorstellbares Grauen für diese jungen Kuhkinder, die eigentlich nur eins wollten, Geborgenheit bei ihrer Mutter und ein Leben in Freiheit.

kalb
Kaum einer von uns könnte diesen hilflosen Tieren in die Augen schauen und sie im nächsten Moment eiskalt töten. Doch beim Kauf von abgepackter Wurst, Milch oder Eiern machen sich wohl die wenigsten von uns Gedanken darüber, welch Leid sich hinter dem jeweiligen Produkt versteckt. Lieber vertrauen wir der Werbung, die uns von glücklichen Tieren erzählt, die gerne für uns ihre Milch, ihre Eier und sogar ihr Leben hergeben. Doch wer einmal hinter die Kulissen geschaut hat, weiß, dass hier kein Tier glücklich ist. Kein Tier lässt sich freiwillig töten, sich einsperren, sich künstlich besamen, die eigenen Kinder wegnehmen, um nur einige der endlosen, gewaltvollen Prozeduren der tierischen Lebensmittelproduktion zu nennen.

gewalt

Die Frage stellt sich, will ich so etwas wirklich unterstützen? Will ich dafür verantwortlich sein, dass wegen mir andere Lebewesen gequält werden und ich für deren Tod verantwortlich bin? Oder kaufe ich beim nächsten Einkauf doch lieber die pflanzliche Alternative, die es mittlerweile für fast jedes tierische Produkt gibt? Nie zuvor war die vegane Ernährung so einfach wie heute! Es gibt also keine Ausrede mehr weiter hilflose Tiere auszubeuten.

Hier geht es weiter zum Bericht eines Mitglieds des Vegan Heute Recherche-Teams.